München Do32 – Die Entstehung

Mit dieser Kiste fing es an. Ich war damals knappe 50, mein Vater vor einiger Zeit gestorben. Eine Kiste gefüllt mit Fotos, teilweise geordnet. Negative und Positive über einem Zeitraum von circa 50 Jahren, der vor 100 begann.
Anfangs kramte ich nur darin herum, fand ein paar Fotos, auf denen Autos und Motorräder waren – mein Gebiet. Fünfundzwanzig Jahre eigenes Motorradgeschäft. Über meine Motorradzeit habe ich bereits zwei Bücher veröffentlicht: Aus dem Zylinderchen geplaudert – Privat und … – Die BS motor-Zeit. Gibt es im Buchhandel.
Nach ein paar Mal 'gruschteln‘, kamen Fragen zu Personen auf. Mit den meisten konnte ich etwas anfangen. Also, letzter Zeitzeuge, meine Mutter.
Zum Jahresende 2002 starb ihr Onkel Toni, mein Großonkel, im Alter von 98 Jahren. Er hatte über Jahre mit seinem Neffen Walter Ahnenforschung betrieben und gelangte, außer viel herum im bayrischen Raum, bis ins Jahr 1693.
Als der Stammbaum schon weit fortgeschritten war, überredete Walter seinen Onkel, Notizen dazu niederzuschreiben. Und weil Toni schon dabei sei, könne er auch über sein eigenes Leben schreiben. Da war Toni schon über 90 Jahre. Jeder der drei noch lebenden Neffen bekam eine Kopie der handgeschriebenen Seiten. (Lasst mich doch in Ruhe mit gendergerechter Schreibweise; auch die Meinung meiner Mutter. Sie fühlte sich mit Neffen ebenso angesprochen.) Sie ließ mich das vertrauliche Manuskript lesen. Viel Interessante stand drin.
Aber was war über den väterlichen Zweig meiner Vorfahren bekannt? Wenig, nur Episoden.
Meine Mutter wusste, dass mein Vater einen Stammbaum erstellt hatte – musste er in der Nazi-Zeit. Ludwig, sein Vater hatte nach Kriegsende aus Furcht vor den Amerikanern – dabei hatten die noch gar keinen Präsidenten Trump – alle Unterlagen vernichtet. Zumindest war alles weg, woraus man Familienbande nachweisen konnte.
Nach dem Tod von Toni wollte niemand seine privaten Sachen. Er war meiner Kindheit eine wichtige Bezugsperson für mich. Ich als ältester meiner Generation war durch die Lebensaufzeichnungen, die ich schon zu Tonis Lebzeiten gelesen hatte, neugierig auf die Fotos, die er gemacht hatte. Also landeten zwei große Schachteln bei mir. Bilder über all die Jahre ab circa 1880. Von den 1970ern bis in die 90er Fotos von Kreuzfahrten rund um die ganze Welt, mit Erklärungen und Tagebuch schriftlich und auf Tonkassetten.
Dann kam mir die Kiste der Schellhorn-Bilder in die Hand. Das Material war zu viel, um eine Übersicht zu behalten. Zur Erinnerung, zu dem Zeitpunkt war ich bereits fünfzig, das Hirn baut ab.
Da mir eine digitale Handhabung und Sortierung sinnvoller erschien, als jedes Mal aufs Neue zu wühlen, kaufte ich einen Scanner und digitalisierte mehr als zwei Jahre alles. Keine Sorge, in meiner Freizeit. Damals ging ich noch einer geregelten Arbeit nach.
Als meine Mutter mitbekam, dass ich mich ernsthaft für den Kram interessierte, mit dem sie nichts mehr zu tun haben wollte, überhäufte sie mich mit ihren Unterlagen (Großeltern, Eltern und die meiner Eltern.). Da nicht nur sie einen Ordnungssinn hatte, kamen Schulzeugnisse, erhaltene Briefe, sämtliche Ausweise … Ich höre jetzt auf. Ihr könnt euch vorstellen, von was ich rede.
Inzwischen habe ich einen extra Archivraum von 10 m². 2,50 Meter davon ein Regal nur mit den Fotos in Kästen, Kisten und Ordnern. Mit den von mir gemachten Aufnahmen, und die mütterlicherseits, sind es mehr als 150.000.
Was lag näher, als ein Buch über das Schellhorn-Haus zu schreiben. Dann hätte ich alles übersichtlich und Interessierte in der Familie könnten sich informieren. Mit der Zeit stellte sich heraus, dass es teilweise auch um öffentliches Interesse ging. Dies kristallisierte sich immer mehr heraus, als ich wegen ein paar Bestätigungen und Nachfragen mit der Neuhauser Geschichtswerkstatt Kontakt aufgenommen hatte.
Nun schreibe ich seit fast acht Jahren, mit Unterbrechungen und vorheriger gleich langer Zeit Recherche, an diesem Buch. 2021 sollte es endlich fertig werden.

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